Kieselerde
Kieselerde ist Siliciumdioxid, chemisch SiO₂. Es ist die häufigste Verbindung der Erdkruste, enthalten in Sand, Quarz, Sandstein und einem grossen Teil der Gesteine.
Die INCI lautet Silica. In der Kosmetik liegt sie als sehr feines weisses Pulver vor, dessen Eigenschaften je nach Herstellungsverfahren erheblich schwanken — das ist der springende Punkt, denn hinter demselben Namen stehen Rohstoffe mit sehr unterschiedlichem Verhalten.
Eine Form, mehrere Rohstoffe
Amorphe Kieselsäure ist die in der Kosmetik verwendete. Sie wird chemisch hergestellt — durch Fällung oder Pyrogenese — und liegt als kugelförmige Partikel oder Aggregate vor.
Kieselgur (INCI: Diatomaceous Earth oder Solum Diatomeae) ist eine fossile Kieselerde aus den Skeletten von Kieselalgen, die sich auf Seen- und Meeresgrund abgelagert haben. Ihre poröse Struktur verleiht ihr ein hohes Absorptionsvermögen und einen leicht abrasiven Charakter.
Hydratisierte Kieselsäure (Hydrated Silica) enthält gebundenes Wasser. Das ist die in Zahnpasten verwendete Form.
Silicate — Magnesiumsilicat, Natrium-Aluminium-Silicat — sind abgeleitete Salze mit anderen Eigenschaften.
Kristalline Kieselsäure dagegen, namentlich Quarz in einatembarer Form, hat ein ganz anderes toxikologisches Profil und wird in Kosmetika nicht eingesetzt.
Was sie in der Formulierung leistet
Ihre Funktionen sind technisch und beruhen auf ihrer physikalischen Struktur, nicht auf chemischer Aktivität.
Sie ist absorbierend: Ihre porösen Partikel nehmen Feuchtigkeit und Fette auf, was ihren Einsatz in mattierenden Pudern erklärt.
Sie wirkt rieselfähigkeitsfördernd: In einem Pulver verteilt, verhindert sie das Verklumpen und verbessert das Fliessverhalten.
Sie verändert das Hautgefühl: Kugelförmige Kieselsäuren, sogenannte Mikrokugeln, erzeugen die seidig-gleitende Empfindung, die in Make-up geschätzt wird.
Sie ist schwach abrasiv, was in Zahnpasten genutzt wird, wo hydratisierte Kieselsäure die mechanische Reinigung übernimmt.
Schliesslich dient sie als Texturgeber in Emulsionen und Gelen, denen sie Stand verleiht.
Anwendung in der Kosmetik
Man findet sie vor allem im Make-up: Kompakt- und Losem Puder, Lidschatten, Foundations. Kieselgur kommt in denselben Formulierungen vor sowie in manchen Peelings.
Hydratisierte Kieselsäure ist das wichtigste Putzkörperchen in Zahnpasten, auch in natürlichen.
Sie findet sich zudem in Deodorants, in Trockenshampoos und in mattierender Gesichtspflege.
Ausserhalb der Kosmetik dient Kieselgur als mechanisches Insektizid — sie wirkt durch Abrasion der Insektenkutikula — und als Absorptionsmittel in Reinigungsprodukten.
Eine Verwechslung ausräumen
Organisches Silicium und Nahrungsergänzungsmittel auf Siliciumbasis betreffen die innerliche Anwendung und haben mit der in der Kosmetik verwendeten mineralischen Kieselerde nichts zu tun. Es sind andere Erzeugnisse unter anderen rechtlichen Rahmenbedingungen.
Silikone haben trotz der Namensnähe ebenfalls nichts damit zu tun. Es sind synthetische Polymere auf Siliciumbasis, in INCI-Listen an den Endungen -cone oder -siloxane erkennbar.
Vorsichtsmassnahmen
Als sehr feines Pulver kann Kieselerde bei der Handhabung eingeatmet werden. Staubwolken sind zu vermeiden und es sollte in einem belüfteten Raum gearbeitet werden, besonders bei Kieselgur, deren Partikel sehr leicht sind.
Diese Vorsichtsmassnahme gilt für den Umgang mit dem Rohstoff; sie betrifft nicht die normale Anwendung eines Fertigprodukts, in dem die Kieselerde in einer Formulierung gebunden ist.
Bei intensivem Gebrauch, namentlich beim Ausbringen von Kieselgur als Insektizid, wird eine Atemschutzmaske empfohlen.
Aufbewahrung
Mineralisch und chemisch stabil, baut sich Kieselerde nicht ab. Sie hält sich unbegrenzt in verschlossenem Gefäss, vor Feuchtigkeit geschützt — sie ist absorbierend und verklumpt, wenn sie Wasser zieht.
Häufige Fragen
Was ist Kieselerde?
Siliciumdioxid, das häufigste Mineral der Erdkruste. In der Kosmetik handelt es sich um amorphe Kieselsäure als sehr feines Pulver.
Was ist Kieselgur?
Eine fossile Kieselerde aus den Skeletten von Kieselalgen. Ihre poröse Struktur macht sie absorbierend und leicht abrasiv.
Wozu dient sie im Make-up?
Sie nimmt überschüssigen Talg auf, verhindert das Verklumpen des Puders und erzeugt ein seidiges Hautgefühl.
Kieselerde und Silikon — was ist der Unterschied?
Kein Zusammenhang. Silikone sind synthetische Polymere, in INCI-Listen an den Endungen -cone oder -siloxane erkennbar.
Sind bei der Handhabung Vorsichtsmassnahmen nötig?
Ja beim reinen Pulver: Staubwolken vermeiden, in belüftetem Raum arbeiten. Für die Anwendung eines Fertigprodukts gilt das nicht.
Hält sie lange?
Unbegrenzt. Sie ist chemisch stabil, nimmt aber Feuchtigkeit auf und muss in verschlossenem Gefäss bleiben.
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